
Kaffeehaus Goldene Waage: Farbe, Geschichte und Patisserie
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Das Kaffeehaus Goldene Waage in der Frankfurter Neuen Altstadt ist ein Raum, den man nicht neutral fotografieren kann. Rote Wände, Bleiglasfenster, gedrehte schwarze Säulen, ein Schachbrettboden und eine Empore, die über zwei Geschosse reicht — hier trägt jede Fläche eine Entscheidung.
Die Serie zeigt beides: die Architektur und das, was auf dem Tisch steht. Beides gehört zusammen, weil das eine ohne das andere nur die Hälfte des Hauses erklärt.
Von der Empore wird der Raum lesbar
Vom Boden aus sind Höhe und Grundriss dieses Saals nicht gleichzeitig zu zeigen. Die Fenster reichen über mehrere Geschosse, und der Blick nach oben verliert den Boden.
Von der Empore aus fällt beides in ein Bild: das Muster des Schachbrettbodens, die Anordnung der Tische, die Säulen und die Fenster in voller Höhe. Es ist die Perspektive, die erklärt, wie der Raum gebaut ist.
Ergänzend dazu steht eine Aufnahme auf der Empore selbst — mit den roten Sesseln, dem Geländer und der Säule im Vordergrund. Sie zeigt, wie es sich anfühlt, dort oben zu sitzen, und das ist eine andere Auskunft als die von oben herab.

Vorhandenes Licht, ungleich verteilt
Fotografiert wurde weitgehend mit dem Licht, das durch die Fenster fällt. Damit bleiben die Helligkeitsunterschiede erhalten, die dem Raum seine Tiefe geben: helle Fensterbereiche, halbdunkle Zonen dazwischen, einzelne Glanzstellen auf Metall und Glas.
Ein gleichmäßig ausgeleuchteter Saal wäre einfacher zu belichten und langweiliger anzusehen. Die dunklen Bereiche sind hier kein Fehler, sondern der Grund, warum die roten Wände nicht flächig wirken.
Bei den Wandtafeln mit den gerahmten Pflanzenbildern übernimmt die Wandleuchte die Rolle des Hauptlichts. Sie zeichnet die Rahmen einzeln nach, statt die ganze Wand gleichmäßig aufzuhellen.

Kuchen im Raum, nicht im Studio
Erdbeertörtchen, Frankfurter Kranz und Schokoladentorte stehen auf dem Geschirr des Hauses, auf den Tischen des Hauses, im Licht des Hauses. Im Hintergrund bleibt ein Stück Wand oder Vorhang erkennbar.
Damit ist jedes dieser Bilder zugleich ein Bild des Kaffeehauses. Eine Studioaufnahme hätte die Patisserie sauberer gezeigt und die Verbindung zum Ort verloren — und die Verbindung ist bei einem Haus wie diesem der eigentliche Wert.
Praktisch heißt das: kleinere Blende für den Teller, offene Blende, wenn der Raum mit soll, und in beiden Fällen eine Tasse oder ein Glas als zweite Ebene.

Weitere Aufnahmen aus dem Haus


Ein Raum, der die Patisserie mitträgt
Ein Törtchen vor weißem Hintergrund ist ein Produktfoto. Dasselbe Törtchen auf dem Geschirr des Hauses, mit den roten Wänden im Anschnitt, ist ein Bild dieses Kaffeehauses.
Der Unterschied kostet nichts außer der Entscheidung, im Raum zu bleiben, statt einen Tisch am Fenster zum Studio umzubauen. Er ist der Grund, warum diese Serie nicht gegen jede andere Konditorei austauschbar ist.


