
Harvey’s Frankfurt: Frühstück in einem lebendigen Interior
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Harvey’s im Frankfurter Nordend verbindet Frühstück, Brunch und Restaurantbetrieb mit einer Einrichtung, die nicht leise ist: Backstein, Wandbilder, farbige Hocker, gemusterte Fliesen, Pflanzen, ein Leuchtschriftzug auf einer grünen Wand.
Zwei Produktionen liegen für das Haus vor. Die eine zeigt die Räume, die andere den Anlass — Gäste am Tisch, Teller in Bewegung, Kaffee und Wein am Nachmittag.
Die Mittelachse hält den Raum zusammen
Die zentrale Innenaufnahme folgt der Mittelachse: Das hohe Regal an der Rückwand steht in der Bildmitte, die Tischreihen laufen links und rechts darauf zu, der Backsteinbogen rahmt das Ganze.
Bei vielen Farben, Materialien und Lichtquellen ist eine symmetrische Perspektive das einfachste Mittel gegen Unruhe. Sie gibt dem Auge einen festen Punkt, von dem aus es den Rest sortieren kann.
Aus einer schrägen Position wäre dasselbe Zimmer eine Ansammlung bunter Möbel geworden. Die Symmetrie erklärt, dass es einen Aufbau hat.

Frühstück ist eine Aufsicht
Die Speisenbilder von Harvey’s sind fast alle von oben aufgenommen, und das folgt der Sache: Ein Frühstückstisch besteht aus mehreren Gefäßen nebeneinander — Pfanne, Teller, Tasse, Glas, Karte.
Von der Seite verdecken sie sich gegenseitig. Von oben liegt alles frei, und der Holztisch wird zum Untergrund, der die Teile zusammenhält.
Dass Hände und Besteck im Bild sind, ist Absicht. Ein Frühstück ohne jede Bewegung sieht aus wie eine Auslage; eine Gabel, die gerade in einen Pancake geht, sieht aus wie ein Samstagmorgen.

Die zweite Strecke zeigt den Anlass
Für Social Media ist eine eigene Produktion mit Gästen entstanden: zwei Personen am Tisch, jemand mit einem Glas Wein am Nachmittag, ein Teller, der gerade abgestellt wird.
Diese Bilder verkaufen kein Gericht, sondern eine Situation. Sie beantworten die Frage, mit wem und zu welcher Gelegenheit man hierher geht — und genau danach wird auf Social Media gesucht.
Die Räume bleiben dabei erkennbar. Der Leuchtschriftzug, die Fensterfront und die Fliesen tauchen im Hintergrund auf, sodass die Strecke sichtbar zu demselben Haus gehört wie die leeren Räume.

Aus beiden Produktionen


Raum und Anlass sind zwei Aufgaben
Die Innenaufnahmen beantworten die Frage, wie es dort aussieht. Die Social-Media-Bilder beantworten eine andere: wofür man dorthin geht.
Ein Haus braucht beides, und die Bilder dafür entstehen selten am selben Tag. Der Raum will leer und mit Ruhe fotografiert werden, der Anlass verlangt Menschen, Bewegung und einen Tisch, der gerade benutzt wird.


